19.06.2016

Patti Jóhannesson vor EM-Duell AUT vs. ISL

Bei der UEFA EURO in Frankreich entscheidet sich am Mittwoch im Spiel Österreich gegen Island, wer es ins Achtelfinale schafft: einer steht dabei fast zwischen den Stühlen. Handball-Teamchef Patrekur Jóhannesson ist Isländer, aber österreichischer Head Coach. Vor dem Spiel am Mittwoch, das er in seiner Heimat mitverfolgen wird, spricht er über den isländischen Fussball und wer das Duell gewinnen wird.

Patti, woher kommen Islands jüngste Fussball-Erfolge?
Jóhannesson: „Wir haben aufgrund der Witterungsbedingungen etwa im Jahr 2000 begonnen, Fussballhallen mit Rasen zu bauen, vielleicht war das ein Startschuss. In Island ist man sportbegeistert, die Kinder müssen sich nicht schon so früh festlegen, ob Fussball oder Handball oder Basketball für sie besser ist. Sie müssen nicht zehn Mal pro Woche trainieren, das ist zu viel für einen Zehnjährigen. Bei uns ist es normal, dass die Kinder vor und nach der Schule Sport machen, vielleicht ist es das, was sie so erfolgreich macht.“

Ist Handball noch die Nummer 1?
Jóhannesson: „Ja, das denke ich schon. Bei Handballspielen sitzt fast die gesamte Nation vor dem Fernseher, wir sind Olympiazweiter 2008 geworden, das macht uns als kleines Land schon stolz. Aber Fussball hat um so viel mehr Geld zur Verfügung, da ist der Hype im Moment schon sehr groß - aktuell hat Island 330.000 Teamchefs - ähnlich wie in Österreich, nur halt nicht 8 Millionen.“

Was macht den Isländer stark?
Jóhannesson: „Wir sind vielleicht nicht die besten Techniker, aber wir sind bereit, 90 Minuten zu kämpfen, das hat man vor allem im Spiel gegen Portugal gesehen. Wir sind bereit, viel zu trainieren und alles dem Sport unterzuordnen.“

Wer sind die Schlüsselspieler?
Jóhannesson: „Sicher Gudjohnsen, er ist ein intelligenter Spieler, der viel Erfahrung und Ruhe reinbringen kann, ein bisschen wie Viktor Szilagyi bei uns. Und Gunnarsson, der kann laufen ohne Ende - sein Bruder Arnor spielt übrigens im isländischen Nationalteam und mit Szilagyi und den Hermann-Brüdern beim Bergischen HC.“

Was ist dein Erfolgsgeheimnis oder das der Isländer?
Jóhannesson: „Ich würde sagen: Gib dein Ego der Mannschaft, dann kriegst du mehr zurück! Das lebt das isländische Team!“

Wie geht´s aus?
Jóhannesson: „Ich bin österreichischer Teamchef, aber ich bin natürlich Isländer, daher hoffe ich auf mein Land und wünsche mir, dass Island gewinnt. Ich bin gespannt, wie es ausgeht.“