Der Hallenhandball

Ausra Fridrikas
Frauen WM Bronze 1999

Das Hallenspiel war ein Import aus Schweden. Der Pionier war einer der erfolgreichsten Funktionäre vor dem unseligen Jahr 1938 und hieß Hans Zelinka, Sektionsleiter des WAC mit dem er 1931, 1932 und 1933 Tourneen nach Schweden unternahm. Dort lernten er und seine Handballer das Spiel in der Halle kennen. Schon lange war ihm die Winterpause von November bis frühestens März und den zur Untätigkeit gezwungenen Spielern zuwider.

Im Spätherbst 1933 organisierte Hans Zelinka die ersten Hallenspiele in Wien. Der große Saal des Konzerthauses wurde ausgeräumt und auf dem Parkett die Hallenmarkierungen aufgezeichnet. An der Premiere nahmen der WAC und Polizei bei den Männern und Danubia und W.A.F. bei den Frauen teil. Spieler und Zuschauer waren begeistert, aber leider war die Show ein einmaliges Event. Wien hatte keine Halle. Ein findiger Funktionär machte zwei Jahre später eine aufgelassene Fabrikshalle in Favoriten für den Handball zugänglich. Gespielt wurde in eisiger Kälte auf Lehmboden, der durch die Feuchtigkeit einem Eisparkett glich. Da nützten auch die Stoppelschuhe vom Feldspiel nichts. Es blieb gar bald beim Versuch mit untauglichen Mitteln. Ohne Fanatiker gäbe es bis heute keinen Handballsport. Die guten Seelen gab es auch 1946 und so konnte das Hallenspiel eine Renaissance erleben. Die Möbelhalle im Wiener Messepalast konnte  vom Wiener Verband erschlossen werden. „Gemeingefährlich“ war der Bretterboden, dessen Späne die Spieler aus allen möglichen Körperteilen entfernen mussten. Hygiene wurde auch klein geschrieben. In den Umkleideräumen hatte jede Mannschaft einen Kübel mit kaltem Wasser, in dem man bestenfalls die Hände waschen konnte. In der klirrenden Kälte saß unverdrossen Sepperl Hofmann im Wintermantel mit Handschuhen und führte die Spielprotokolle. Jeden Samstag und Sonntag! Trotz aller Widerwärtigkeiten war der Zustrom an Mannschaften so groß, dass in mehreren Klassen die Spielzeit für Männer auf 2 x 20 Minuten und für Frauen auf 2 x 15 Minuten beschränkt werden musste. Die Meisterschaft konnte nur in einem Durchgang ausgetragen werden, dann mussten die Handballer den Möbelausstellern zur Frühjahrsmesse das Feld räumen.

Ein Spielbetrieb mit sportlichem Wert konnte erst aufgenommen werden, als die Wiener Stadthalle zur Verfügung stand. Die feierliche Eröffnung fand am 21. Juni 1958 statt. Die Wiener Stadthalle, die nicht nur für sportliche Veranstaltungen genutzt wurde, ist das Werk von Professor Roland Rainer. Die B-Halle wurde zur Heimspielhalle aller Wiener Mannschaften. Die Spiele am Wochenende waren stets blendend besucht. Rapid-Sportklub, Post-Altturm, Ostbahn XI-WAC usw. das lockte die Zuschauer an, die überdies den stundenlangen Aufenthalt in der Halle, dank seiner Wärme, sehr schätzten.

Den Lehrmeister besiegt
Ein denkwürdiges Länderspiel fand am 17. Februar 1959 in der großen Halle statt. Österreich hatte den Lehrmeister Schweden zum Gegner und siegte vor vollem Haus mit 16:14 (7:5). Die Tore in dem hochklassigen Match erzielten Steffelbauer 5, Reimitz 4, Manzer 3, Alt 2, Maly, Hlavacs. Eine besondere Leistung vollbrachte Tormann Kurt Diglas, dessen Paraden hellen Jubel auslösten. Von 1961 bis 1969 wurde der österreichische Meister in Turnierform ermittelt. ATSV Linz und UHC Salzburg, Edelweiß Linz, der Salzburger AK machten den Wienern den Titel streitig. Diese Entwicklung nahm auch in der Staatsliga ab 1971/72 ihren Fortgang. Die Bundesligavereine erstarkten: UHK Krems, Bärnbach, ASKÖ Linz, Köflach, ATSE Wagner Biro Graz, Stockerau dominierten die Wiener. Erst 1988/89 konnte UHK Westwien wieder den Meister stellen.

Erste B-WM und Eröffnung des Wiener Radstadions
Österreich war es vorbehalten vom 25. Februar bis 6. März 1977 die erste B-WM und vom 19. bis 29. März 1992 die letzte B-WM zu veranstalten. Beide Turniere hatten sportliche und gesellschaftliche Höhepunkte. Mit der ersten B-WM wurde das Radstadion feierlich eröffnet. Leider erwies sich die Halle für Handball nicht sehr geeignet. Die Radbahn trennte die Zuschauer zu weit vom Spielgeschehen. Das Teilnehmerfeld war stattlich: Bulgarien, CSSR, DDR, Frankreich, Holland, Spanien und Österreich. Gespielt wurden die Vorrunden in Krems, Graz, Klagenfurt, Innsbruck, in der Südstadt, Voitsberg, Schwaz, Trofaiach, Linz (Spiel um Platz 3) und im Radstadion. Österreich erwies sich zwar meisterlich als Organisator, sportlich war die WM für unser Team bereits in den beiden Vorrunden gegen Schweden und Frankreich Endstation. Als WM-Letzter ging es 1980 in die ebenfalls neu installierte C-WM. Zum Endspiel im Wiener Radstadion fanden sich Bundespräsident Dr. Kirchschläger, Sportstadtrat und ÖOC-Präsident Kurt Heller und MR Dr. Mader vom BMfSport und Unterricht ein. Damit begann für die Österreichische Nationalmannschaft ein Auf und Ab zwischen C- und B-Gruppe bis zum Jahr 1992, als dieser B-WM die letzte Stunde schlug. Vom 19. – 29. März 1992 in Wien.